Autor Thema: Argumente für Käfighaltung und ihre Richtigstellung  (Gelesen 7335 mal)

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Offline Muckel

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Argumente für Käfighaltung und ihre Richtigstellung
« am: Februar 09, 2011, 11:18:26 »
Jeder, der seinen Kaninchen ausreichend Platz bietet, sei es mit einem großzügigen Innengehege oder mit einem Außengehege im Garten, wird sie kennen. Die verständnislosen Blicke und Worte derer, die nicht verstehen wieso man denn den Kaninchen „so viel“ Platz gibt.
Viele kennen wohl die Argumente, die dann von Nicht- Kaninchenhaltern kommen.
Leider wissen aber auch viele Menschen die Kaninchen haben anscheinend nicht über deren Platzbedürfnisse Bescheid und bringen dieselben Gründe dafür an. Aus diesem Grund fristen noch viel zu viele Kaninchen ihr Leben in zu kleinen Käfigen.
Wir möchten hier diese Argumente aufgreifen und mit ihnen aufräumen.

Argument 1:

"So ein kleines Tier braucht doch nicht so viel Platz!"

Richtigstellung:

Leider denken dies wohl viele Leute. Ein kleines Tier braucht nur einen kleinen Käfig. Dies ist aber nicht so. Die Größe eines Tieres sagt nichts über dessen Bewegungsdrang aus. Auch eine Katze ist kein sehr großes Tier. Würden Sie deswegen auf die Idee kommen eine Katze in einen Käfig zu sperren? Nein? Ein Kaninchen hat ungefähr den Bewegungsdrang einer Katze, also womit möchte man dann rechtfertigen, Kaninchen in einem kleinen Käfig zu halten?
Viele fragen sich nun vielleicht „Na, woher wollen die überhaupt wissen, was für einen Bewegungsdrang ein Kaninchen hat?“. Schauen wir uns zur Beantwortung der Frage mal das Leben der wilden Genossen unserer Hauskaninchen an. Wildkaninchen leben in großen Kolonien in bis zu 1km großen Revieren. (Quelle: Christine Wilde, „Leben mit Kaninchen“, Münster 2008, S.10)
Auf der Suche nach Futter bewegen sie sich über das ganze Revier.
Viele mögen jetzt sagen „Ja, das gilt für die Wildtiere, aber doch nicht für unsere Haustiere“.
Am Körperbau hat sich während der Domestikation der Kaninchen nichts grundlegend verändert, wieso sollten unsere Haustiere also weniger Bewegung benötigen? Auch wenn sie ihr Futter vom Menschen gereicht bekommen, wollen sie sich trotzdem bewegen, um ausgelastet und gesund zu bleiben.
Jeder der, so wie wir, einmal gesehen hat, wie ein Kaninchen bei ausreichend Platz tobt, sprintet und Haken schlägt, wird wohl nie mehr sagen, dass ein so kleines Tier doch sicher nicht viel Platz braucht.
Besonders deutlich wird das, wenn man Käfig-Kaninchen einmal länger als die übliche Zeit im Zimmer hoppeln lässt. Haben sie sich erst mit der neuen Umgebung angefreundet, toben sie oft ausgelassen herum und nutzen ihre neue Bewegungsfreiheit.



(c) Cilli Siedl


Ob drinnen oder draußen, Kaninchen wollen hoppeln und sich bewegen! (c) Muckel


Argument 2:

"Wir haben schon immer Kaninchen in solchen Käfigen gehalten und die sind alle alt geworden!"

Richtigstellung:

Ja, Kaninchen werden auch in zu kleiner Käfig- oder Buchtenhaltung alt. Das Augenmerk sollte hierbei aber nicht darauf liegen, DASS die Tiere alt werden, sondern WIE.
Kaninchen die ihr Leben in zu kleinen Ställen sitzen haben häufig gesundheitliche Probleme, auf Grund von zu wenig Bewegung. Magenprobleme, weil die Verdauung nicht richtig in Schwung kommt, verkümmerte Muskeln oder Liegegeschwüre seien hier mal exemplarisch genannt.
Leichter erkennbar sind meist die Verhaltensauffälligkeiten, die Kaninchen in Käfighaltung zeigen: viele beginnen am Gitter zu nagen, den Käfig umzugraben oder Gegenstände im Käfig um her zu werfen. Wieder andere Tiere resignieren und werden apathisch. So mancher Halter war überrascht, wie wild und fröhlich sein Kaninchen sein kann/wirkt, wenn es genügend Auslauf und Beschäftigung hat. Da wird aus dem so ruhigen Kaninchen, das die meiste Zeit nur rumsaß(was soll es auch in einem Käfig groß anderes machen, in dem es nach zwei Sprüngen schon wieder an Gitter stößt?) plötzlich ein Energiebündel, das Bocksprünge machend durch die Wohnung hüpft.

Argument 3:

"Früher hat man das doch auch so gemacht!"

Richtigstellung:

Bedenkt man, dass man erst Ende des 19. Jahrhunderts angefangen hat, Kaninchen zur Zucht in Buchten zu halten und die Tiere vorher meist in großen Gruppen in großzügigen Gehegen (im Mittelalter sogenannte „Hasengärten“ als Jagdwild; in franz. Klöstern in Innenhöfen und Schuppen als Fleischlieferant) gehalten wurden (Quelle: Christine Wilde, „Leben mit Kaninchen“, Münster 2008, S.8), wird diese Aussage nichtig.
Denn was sieht man als „früher“ an?
Wie gesagt wurden „früher“ zu Beginn der Kaninchenhaltung Kaninchen meist nur von Wohlhabenden auf großer Fläche gehalten. Erst im 19. Jahrhundert begann auch die ärmere Bevölkerung Kaninchen als billige Fleischlieferanten platzsparend in kleinen Buchten zu halten. (Quelle: Christine Wilde, „Leben mit Kaninchen“, Münster 2008, S.9)
Doch ist ihr Tier für Sie ein billiger Fleischlieferant, der möglichst platz- und kostensparend bis zur seiner Schlachtung untergebracht werden soll?
Ein Haustier ist kein Fleischlieferant oder ein Einrichtungsgegenstand, den man platzgünstig verstauen kann. Ein Kaninchen ist ein Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen, die der Haltung in kleinen Buchten oder Käfigen völlig widersprechen.


So nicht!



Kaninchen brauchen Platz, um sich zu bewegen. (c) Cilli Siedl


Argument4:

"Ich habe nicht mehr Platz."

Richtigstellung:

Dies ist ein Argument welches kaum nachzuvollziehen ist. Ein Kaninchen braucht in Innenhaltung Minimum 2m² Fläche, die es dauerhaft nutzen kann (Minimum! Natürlich ist es immer besser und schöner, wenn man mehr bieten kann, aber wenn man meint man hat keinen Platz, kann man sich am Minimum orientieren).
Da Kaninchen Gruppentiere sind und nie allein gehalten dürfen, sprich man auf jeden Fall immer 2 Kaninchen halten sollte, bedeutet dies, dass man Minimum 4m² Platz braucht.
4m² das ist ein wenig mehr als ein großes Bett. Mit ein wenig umstellen und günstigen Gehege- oder Welpengittern aus dem Internet lässt sich wohl in jeder Wohnung ein solches Plätzchen schaffen.
In kleinen Wohnungen ist auch die freie Wohnungs- oder Zimmerhaltung eine Alternative, durch die der Mensch effektiv keinen Wohnplatz „verliert“ wie bei einem Innengehege.




Mit Gehegeelementen lässt sich leicht ein schönes Gehege schaffen. (c) Lilia



Auch so könnte ein Innengehege abgegrenzt werden. (c) Muckel


Argument 5:


"Mein Kaninchen bekommt doch täglich Auslauf, da reicht ein Käfig!"

Richtigstellung:

Dies ist eine häufige Annahme, die so nicht richtig ist. Ein Kaninchen hat immer seinen ausgeprägten Bewegungsdrang und schraubt diesen nicht zurück, wenn es im Käfig ist und tobt sich dann aus, wenn es Auslauf bekommt.
Zudem muss man bedenken, dass wohl kein Auslauf lang genug sein kann, denn wann kann der Mensch Auslauf geben? Wenn er gerade nicht arbeiten ist und nicht schläft. Da fallen also schon mal gut und gerne 16 Stunden des Tages weg, in dem die Kaninchen in ihren Käfig sitzen, in dem sie nicht mal zwei richtige Sprünge machen können, ohne vor ein Gitter zu rennen.
Auch haben die Kaninchen nicht immer dann ihre aktive Phase, wenn der Mensch gerade meint ihnen Bewegung gönnen zu können. Kaninchen sind dämmerungsaktive Tiere, die meisten Menschen schlafen in dieser Zeit noch. Kaninchen schlafen eher am Tag (was natürlich kein Grund ist sie am Tag einzusperren!) und sind mehr in der Nacht aktiv, in der Zeit in der der Mensch schläft und dem Kaninchen keinen Auslauf gewährt.
Wie oben erwähnt, sollten pro Tier Minimum 2m² dauerhaft zur Verfügung stehen. Zusätzlicher Auslauf ist natürlich trotzdem wichtig und nötig.


Trotz Gehege: auch zusätzlicher Auslauf in der Wohnung ist wichtig. (c) Muckel

Da Kaninchen in Außenhaltung meist seltener Auslauf bekommen, als in Innenhaltung, geht man bei Außenhaltung von Minimum 3m² pro Tier aus.

Nur mit genügend Platz im Gehege sind solche Sprints möglich. (c) Cilli Siedl

Doch trotzdem freuen sich auch diese Tiere über Auslauf im Garten.

(c) Cilli Siedl


Argument 6:

"Mein Käfig ist nicht klein, er hat doch mehrere Etagen!"

Richtigstellung:

Diese Annahme, dass mehrere Etagen eines Käfigs die Grundfläche vergrößern, ist leider bei den handelsüblichen Käfigen ein Trugschluss. Nehmen wir beispielhaft einen Käfig mit einer Grundfläche von 100*50 cm über 3 Etagen an. Natürlich denkt man, die Kaninchen haben mehr Platz, weil sie je 3 mal einen halben m² zur Verfügung haben. Leider bringt dies den Kaninchen, schaut man sich einmal ihre natürlichen Bewegungen an, wenig. Kaninchen bewegen sich hoppelnd fort. In einem Käfig stoßen sie nach wenigen Hüpfern schon an ein Gitter. Auch die Höhe solcher Käfige ist meist sehr gering, sodass oft nicht einmal Männchen machen möglich ist. Kaninchen sprinten auch gerne mal eine längere Strecke und schlagen vor Freude und Übermut Haken. -All dies ist ein einem Käfig, in dem man höchsten drei Sprünge hintereinander machen kann, nicht möglich. Die „Treppen“ um in die nächste Etage zu kommen nehmen noch mehr Platz der sowieso schon viel zu kleinen Grundfläche weg und sind oftmals sogar große Gefahrenquellen.
Es ist also sehr wichtig, die benötigte Fläche auf einer Ebene anzubieten, damit ein Kaninchen sich natürlich fortbewegen kann.


Männchen machen ist wichtig, um die Umgebung erkunden zu können. (c) Muckel


In einem Gehege kann man gut Männchen machen. (c) Lilia


Argument 7:


"Aber außerhalb des Käfigs machen die doch alles dreckig."

Richtigstellung:

Dass Kaninchen Dreck machen, wollen wir gar nicht bestreiten. Aber welches Haustier macht das nicht? Als Tierhalter muss man damit rechnen, dass die Tiere etwas beschmutzen. Vieles lässt sich aber schnell beheben (Heu und Streu ist schnell aufgekehrt/gesaugt) oder man kann vorbeugen.
Was viele Kaninchenhalter nicht wissen: die meisten Kaninchen werden sogar stubenrein. Sie sind sehr reinliche Tiere und suchen sich meist von sich aus eine eigene Ecke, in der sie ihr Geschäft verrichten. In diese Ecke sollte ein Kaninchenklo gestellt werden (am besten mit Pelleteinstreu, welches nicht im Fell hängen bleibt). Außerdem sollte es den Kaninchen während des Auslaufes immer möglich sein in ihr Gehege zurück zu kehren, um dort ihr Geschäft zu verrichten.
Es gibt natürlich auch Kaninchen die nicht stubenrein werden, aber auch das ist meist kein Problem. Man kann den Kaninchen einfach aus Welpen-/Auslaufgittern ein Gehege bauen und den Untergrund mit PVC auslegen (Reste gibt es meist günstig oder gar geschenkt im Baumarkt), dort kann man Heu, Stroh und Köttel leicht zusammenfegen und sollte mal eine Pfütze danebengehen, ist sie schnell weggewischt.


PVC ist ein schicker und gut sauber zu haltender Untergrund. Waschbare Teppiche verhindern das Wegrutschen. (c) Muckel

Zum Schluss möchten wir Ihnen nun noch einige Möglichkeiten aufzeigen, wie man Kaninchen ihrem Bewegungsdrang gerecht unterbringen kann und wie ein Kaninchengehege beschaffen sein sollt. Weitere Ideen, Anregungen und Ratschläge zum Thema Gehege finden sie HIER





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