Autor Thema: Verhalten bei Magenüberladung, Verstopfung, Aufgasung und co  (Gelesen 5060 mal)

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Offline Muckel

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Da man momentan auf vielen Seite vermehrt von Kaninchen mit "Bauchgeschichten" hört,
dachte ich ich mache mal ein Thema auf, wie man sich im Falle des Falles am besten verhält,
welche Maßnahmen einzuleiten sind.

Symptome (auch nur ein einzelnes kann auftreten!):

  • Das Kaninchen frisst nicht oder sehr wenig
  • es setzt keine oder nur sehr kleine Köttel ab
  • der Bauch ist hart oder aufgebläht
  • das Kaninchen sitzt in "Schonhaltung", knirscht eventuell sogar mit den Zähnen
  • es versucht Kot ab zu setzen, es kommt aber nichts

Grundsätzlich:
Wenn ein Kaninchen nicht frisst ist dies immer ein Zustand der SOFORT behandlungswürdig ist.
Ebenso wenn es über längere Zeit, ca. 12h, keinen Kot absetzt.
Zeigt ein Tier eines oder gar mehrere der oben genannten Symptome ist schnelles Handeln angesagt.

Bitte NICHT groß selbst rumdoktern und vor allem: auf keinen Fall selbstständig päppeln
oder das Tier mit Brei zwangsfüttern! Im Falle einer Verstopfung kann dies tödlich enden!

Bitte sucht umgehend einen Tierarzt auf.


Sofortmaßnahmen die trotzdem ergriffen werden können:
  • Ist der Bauch aufgebläht/ hart oder er gluckert: Eingabe von SAB Simplex
  • Bei Vermutung einer Verstopfung (Tier setzt keinen Kot ab):
    Eingabe von Paraffinöl (wichtig! keine Pflanzenöle, diese bringen nichts)

Und dann: ab zum TA!

Wichtige Untersuchungen:
  • Abtasten des Bauches
  • bei unklarer Diagnose durch Abtasten unbedingt Röntgen!
    (falls seine Aufgasung/Verstopfung vorhanden ist, wo genau sie sitzt und wie prall der Magen gefüllt ist)
  • Temperatur messen (Ausschluss vom Infekt, bzw haben viele Tiere mit obigen Symptomen Untertemperatur)

Will der TA zwangsernähren bevor die Ursache klar (sprich eine Verstopfung ausgeschlossen) ist,
bitte holt eine zweite Meinung ein, das kann über Leben und Tod entscheiden.

Ist das Tier stark ausgetrocknet wird der TA (vor allem Sommer) sicher erst mal eine Infusion geben um den Kreislauf zu stabilisieren.
Weitere Behandlung erfolgt dann nach Diagnose. Was und ob ihr dann etwas zusätzlich unternehmen sollt (Eingabe SAB, Paraffin o.ä.)
kommt immer auf die Empfehlung und Behandelung des Arztes und die Diagnose an.
Wichtig:Habt ihr vor dem TA-Besuch Sofortmaßnahmen ergriffen dann teilt diese dem TA mit.


Vorbeugung:
Die beste Vorbeugung vor "Magengeschichten" ist grundsätzlich eine gesunde, kaninchengerechte und ausgewogene Ernährung.
Futter welches im Kühlschrank geagert wird muss erst Zimmertemperatur bekommen. Schnelle Futterumstellungen sind zu vermeiden.
Ebenso gepresstes Trockenfutter, bzw eine zu flüssigkeitsarme Fütterung, welches diese Sachen begünstigt.

Zur Vorbeugung von Verstopfungen durch Haarballen:
Während des Fellwechsels die Tiere regelmäßig ausbürsten oder mit der Hand lose Büschel abzupfen.
Sonnenblumenkerne (2-3 Stk Ohne Schale) oder auch Paraffinöl (3-5 Tropfen täglich) können zur Vorbeugung gegeben werden.
Aber bitte nur im Fellwechsel, nicht über zu lange Zeit.

Regelmäßige Futtergaben verhindert bei Tieren die zum schlingen neigen, dass unnötig Luft geschluckt wird.
Frischfutter reicht mehrere Stunden oder wird am besten mehrmals am Tag verteilt gegeben.

Um Sicher zu gehen, dass keine Kokzidien oder Hefen das Problem verursachen
sollte auch (sofern möglich) direkt eine Kotprobe beim TA mit abgegeben werden.

Ich hoffe diese kurze (und vereinfachte!) Zusammenfassung kann euch etwas helfen,
bei Fragen oder Anmerkungen einfach unten dazu schreiben ;)

Offline Fellnase

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Re: Verhalten bei Magenüberladung, Verstopfung, Aufgasung und co
« Antwort #1 am: Juli 13, 2011, 10:55:41 »
Vielleicht ist noch erwähnenswert, dass das Frischfutter nicht direkt aus dem Kühlschrank, also kalt, gegeben werden soll, sondern immer erst Raumtemperatur annehmen sollte.
Und dass Frischfutter nie zusammen mit Trockenfutter gereicht werden soll (wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass TroFu überhaupt gefüttert wird, z.B. bei großen Rassen ist das ja notwendig, oder? :gruebel: ).

Ansonsten finde ich Deinen Thread echt klasse und hilfreich, alles super zusammengefasst :yeah:
Vielleicht kann jemand das Thema anpinnen, damit man im Notfall nicht unnötig suchen muss :weissnich:

Wackelnasen - deine Kaninchen und Meerschweinchen Community

Re: Verhalten bei Magenüberladung, Verstopfung, Aufgasung und co
« Antwort #1 am: Juli 13, 2011, 10:55:41 »

Offline Muckel

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Re: Verhalten bei Magenüberladung, Verstopfung, Aufgasung und co
« Antwort #2 am: Juli 13, 2011, 11:04:43 »
Danke dir :)
Auch für deinen Hinweis, das mit dem kalt geben ist grad bei empfindlichen Tieren ein wichtiger Hinweis!

Zitat
(wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass TroFu überhaupt gefüttert wird, z.B. bei großen Rassen ist das ja notwendig, oder? gruebel
TroFu ist ja nicht gleich TroFu, problematisch sind vor allem stark zerkleinerte und gepresste Sachen (zB pellets, da da die bestandteile sehr klein gemahlen und dann gepresst werden) das hat etwas mit der Transportdauer im Darm und dem aufquellen(Wasser ziehen) zu tun.
Auch Flüssigkeitsmangel kann gefährlich werden, da muss man nicht mal "handelsübliches" Trockenfutter füttern. Auch eine zu unausgewogene Ernährung (zB eine Ernährung die zu viel heuanteil und zu wenig frisches enthält) kann problematisch werden

Wer große Tiere hat wird ja dann eher Sämereien, Getreide pur (zB ganze Ähren) oder Haferflocken zufüttern, was ne andere Verträglichkeit hat als zB Fertigfutter, wegen der Transportdauer/-art und eben dem Aufquellen.

Zum Thema trocken und Transport: gerade bei Verstopfungen ist es wichtig, dass die Tiere Flüssigkeit zu sich nehmen! Trinken sie nicht freiwillig oder nehmen freiwillig kein wässriges Futter (Wiese, Salat, Gurke..) auf ist es wichtig Flüssigkeit einzugeben (zB verdünnter Tee oder wasser)

Zum trinken anregen kann auch dass Tee (Fenchel, kamille zB) angeboten wird oder ins Wasser ein Schluck ungezuckerter Saft (zB Apfel) gegeben wird

Offline Fellnase

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Re: Verhalten bei Magenüberladung, Verstopfung, Aufgasung und co
« Antwort #3 am: Juli 13, 2011, 11:12:06 »

Wer große Tiere hat wird ja dann eher Sämereien, Getreide pur (zB ganze Ähren) oder Haferflocken zufüttern, was ne andere Verträglichkeit hat als zB Fertigfutter, wegen der Transportdauer/-art und eben dem Aufquellen.

Ah, alles klar. Ehrlich gesagt, hab ich mich mit dem Thema so noch nicht befasst, ganz einfach weil's für uns momentan nicht relevant ist :o aber gut zu wissen ^^

Offline Zinra

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Re: Verhalten bei Magenüberladung, Verstopfung, Aufgasung und co
« Antwort #4 am: Februar 11, 2012, 21:38:58 »
Zum Thema: Bauchweh und Futterverweigerung
Ich denke es liegt häufig am Fellwechsel. Meine sind ja nun schon wieder mittendrin.

JP hatte innerhalb von 3 Wochen 2x Bauchweh und heute war's Hubi.
Ich merke sofort daran, dass bei Fütterungszeit einer nicht anwesend ist und sich lieber verkrümelt.
Bauch abgetastet, weich und gut gefüllt, aber nicht stark überfüllt oder hart.

Dann ziehe ich 1ml Sab Simplex in einer Spritze ohne Kanüle auf, 1ml RodiCare und verabreiche es oral.
I.d.R ist nach 1-2 h alles wieder im grünen Bereich und es wird wieder Interesse an mir und Futter gezeigt.
Ich selbst würde nie länger als 24 h nach der letzten Futtersufnahme verstreichen lassen und allerspätestens (!)
je nach Zustand des Tieres den nächsten Tierarzt aufsuchen.
Je nach Situation kann auch Paraffinöl dazu gegeben werden (s.o.) und das 1-2 ca. 1-2 h wiederholen,
aber auch wenn dann keine Besserung eintritt: TA!

Wichtig: NIE zwangsfüttern in solch einer Situation!
mit fröhlichen Grüßen,
 Zinra
:ui:

Durchgedreht oder "positiv verrückt".


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